Lauf #4 – Paul Ricard

Diesen Sonntag startet das 4. von 12 Meisterschaftsrennen der United-Simracer auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet.

Die Meisterschaft

In der Meisterschaft bleibt es auch nach 3 absolvierten Rennen weiterhin spannend. In jedem Rennen gab es bisher einen anderen Sieger und mit seinem ersten Platz in Barcelona konnte Christian Fleißner den Abstand zu Eduard Wiens auf 7 Punkte verkürzen.

Diese 3 zeigen sich derzeit als Meisterschaftsfavoriten und haben schon einen Abstand von 20 Punkten auf den viertplatzierten Marcus Hartmann aufgebaut. Allerdings ist die Saison bekanntermaßen noch lang.

Die Strecke

Das selbsternannte “Home of British Motor Racing” mit einer Historite, die bis in das Jahr 1948 zurückreicht, ist eine der traditionsreichsten Strecken im Kalender.

Die nach dem 2. Weltkrieg verlassene Militärbasis der Royal Air Force wurde bereits 1947 jedoch zu diesem Zeitpunkt inoffiziell von einigen motorsportbegeisterten für ein paar Rennen genutzt. Ein Teilnehmer überfuhr bei einem der ersten Events ein Schaf, weshlalb diese Veranstaltung als “Mutton (=Hammelfleisch) Grand Prix” bezeichnet wurde.

Mit den Jahren wurde das Ganze allerdings etwas professioneller aufgezogen. Der Royal Automobile Club war zu dieser Zeit auf der Suche nach neuen Standorten und der ehemaliger Flugplatz mit seiner Infrastruktur bot sich hierfür an. James ‘Jimmy’ Brown wurde damit beauftragt den ersten Grand Prix zu veranstalten – keine leichte Aufgabe, da man ihm hierfür lediglich 2 Monate Zeit gab. Allerdings schaffte er nicht nur das, sondern leitete auch die Entwicklung der Strecke für die nächsten 40 Jahre maßgeblich. Der Streckenverlauf vom 1. Grand Prix im Herbst 1948 hatte mit der heutigen Strecke nur wenig zu tun. Begrenzt wurde die Strecke, die noch über die Runways führte, durch Ölfässer und Strohballen. Seile dienten als Absperrung für die Zuschauer. An einer Stelle in der Mitte der Strecke führten 2 Haarnadelkurven genau aufeinander zu. Man spannte Tücher auf, damit die Fahrer zumindest nicht ansehen mussten, was frontal auf sie zukommt.

Schon im nächsten Jahr änderte man diese Streckenführung allerdings, sodass nur noch außen herum auf den Zufahrtsstraßen gefahren wurde.

Im Mai 1950 wurde hier erneut Geschichte geschrieben, als das erste Formel 1 Rennen unter den Augen der Queen in Silverstone stattfand. 1952 erfolgte die Übernahme durch den British Racing Drivers’ Club (BRDC) und die Strecke inkl. der Boxenanlagen wurden weiter verbessert, insbesondere auch der kürzere Club-Circuit. Der BRDC pachtete 1961 weiteres Land rund um die Strecke um die Anlage in Zukunft weiter auszubauen. Nach 2 Unfällen in der wie damals üblich “offenen” Boxenanlage ohne eigene Boxengasse erfolgte auch hier 1964 ein Umbau, um die Sicherheit zu erhöhen. Schließlich kaufte der BRDC im Jahr 1971 das gesamte, fast 3 km2 große Gelände vom Verteidigungsministerium ab.

Besonders in Erinnerung blieb der Formel 1 Grand Prix 1973 als Jody Scheckter nach der ersten Runde die Kontrolle über seinen McLaren verlor und damit den zu diesem Zeitpunkt größten Massencrash auslöste. Dieser Vorfall offenbarte auch, dass das Risiko für die Zuschauer durch Trümmerteile in Silverstone zu hoch war, deshalb zog die Formel 1 für das nächste Saison nach Brands Hatch um. Allerdings erfolgte die Rückkehr bereits im nächsten Jahr, diesmal mit einer neu errichteten Schikane im Streckenabschnitt Woodcote. Trotz der Schikane wurden jedoch die Geschwindigkeiten auf dem High-Speed-Kurs immer schneller. In der Turbo-Ära fuhren die Autos in der Schikane sogar schneller als vormals in der Woodcote Kurve. 1985 erreichte Keke Rosberg im Qualifying eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 257 km/h, zusätzlich lagen 3 weitere Fahrer bei über 255 km/h. Erneut fuhr man im nächsten Jahr in Silverstone nicht und zog nach Brands Hatch um. 1987 erfolgte die Rückkehr, wieder wurde die Ecke bei Woodcote durch die Errichtung der Luffied-Kurve stark umgebaut. Modernisierungen gab es auch an der Boxenanlage und am neuen Pressezentrum.

Die nächsten großen Änderungen erfolgten in den 1990ern. Copse Corner wurde etwas verängt und die neue Maggotts/Becketts/Chapel Kurvenkombination wurde gebaut. Auch die Stowe Kurve wurde änger gemacht und die Abschnitte Vale und Club neu gebaut. Nach den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger war man noch mehr auf die Sicherheit bedacht und weitere Umbauten an einigen Kurven wurden durchgeführt, die jedoch bei den Fahrern nicht sonderlich beliebt waren. So suchte man in den nächsten Jahren in Abstimmung mit den Fahrern immer wieder nach besseren Lösungen, insbesondere für die Stowe-Kurve und die Priory/Brooklands/Luffield Passage.

Anfang der 2000er Jahre war die Zukunft für Silverstone dennoch wieder unsicher. Die Formel 1 machte Pläne, erneut in Brands Hatch und in Donington zu fahren. In Silverstone begann man sich ein neues Haupt-Event zu suchen und die Wahl fiel auf die MotoGP. Damit wurde auch klar, dass man die Strecke erneut umbauen musste. Nachdem der Deal mit Donigton aufgrund finanzieller Unstimmigkeiten jedoch scheiterte, konnte Silverstone eine neue Vereinbarung mit der Formel 1 machen. Bernie Ecclestone stellte jedoch einige Forderungen: So wurde der neue “Wing”-Paddock und und der neue “Arena”-Streckenabschnitt gebaut. Auf der neuen Strecke wurde 2010 das erste Mal gefahren, die neue Boxenanlage wurde 2011 geöffnet. Im Gegensatz zur Formel 1 nutzen die meisten anderen Rennserien jedoch bis heute die Boxenanlage auf der “alten” Start/Ziel-Geraden.

Der Circuit Paul Ricard wurde 1970 eröffnet und galt bereits damals als Rennstrecke mit modernsten Sicherheitsstandards – von vielen jedoch als “Retortenstrecke” bezeichnet. Innerhalb kürzester Zeit vom französischen Pastis-Produzenten Paul Ricard errichtet, wurde die Strecke am 19.04.1970 mit einem Sportwagenrennen der 2-Liter-Klasse eröffnet. Paul Ricard baute auf dem ca. 1000 Hektar großen Land, das er einige Jahre zuvor erworben hatte, bereits den größten Privatflugplatz der Provence.

Nach seiner Eröffnung löste die Strecke im Jahr 1971 Clermont-Ferrand und Rouen als Austragungsort für den Formel 1 GP von Frankreich ab und wurde somit zur wichtigsten Rennstrecke des Landes für die nächsten 14 Jahre. Mit Ausnahme der Signes-Kurve war die fahrerische Herausforderung überschaubar, jedoch zeigten sich einige Fahrer dankbar für die damals noch ungewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen, die es an dieser Strecke gab.

Mit diesem Ruf und der Möglichkeit verschiedene Layouts zu fahren wurde die Strecke auch vermehrt interessant für Testfahrten. Auch das warme Klima und der direkt angrenzende Flughafen machten Le Castellet hierfür zum perfekten Ort.

Jedoch kam es 1986 bei Testfahrten zum tödlichen Unfall von Elio de Angelis im Verriere-S, der Kurvenkombination nach Start/Ziel, die damals noch deutlich schneller und flüssiger durchfahren wurde. Die nächsten GPs wurden anschließend auf einer anderen Streckenvariante ausgetragen.

Mit dem Umzug der Formel 1 nach Magny Cours verlor der in die Jahre gekommene Circuit Paul Ricard weiter an Bedeutung.

Dies änderte sich 1999 als Bernie Ecclestone mit seiner Excelis Company die Strecke kaufte. Die Modernisierung wurde 2001 fertiggestellt. Am Layout wurden einige Details wie die Schikanen an der Mistral-Geraden geändert sowie weitere Streckenführungen ermöglicht. Die wichtigste Änderung fand jedoch an den Auslaufzonen statt, die nun mit Streifen von unterschiedlich griffigem Asphalt versehen wurden. Neu waren außerdem die Tecpro-Barriers, die mittlerweile auch auf vielen anderen Rennstrecken im Einsatz sind.

In den nächsten Jahren gab es immer wieder kleine Umbauten und Erweiterung an der Strecke, wie beispielswiese ein neuer Grandstand und die Vergößerung der Boxenanlage. Ab 2018, nach fast 30 Jahren Unterbrechung, kehrte auch der Formel 1 Grand Prix nach Le Castellet zurück.

Für die United Simracer ist es das 2. Rennen auf dieser Strecke mit ACC. Im Januar 2021 fand hier der Saisonauftakt statt.

Vorschau auf das Rennen

Bislang scheinen die United-Simracer diese Saison Glück mit dem Wetter zu haben. Auch für Le Castellet sind am Rennwochenende trockene Bedingungen angesagt. Nach der kurvenreichen Strecke von Barcelona müssen die Fahrer diesmal den richtigen Kompromiss beim Setup finden, um nicht zu viel Topspeed auf der langen Geraden zu verlieren. Nach einem kleineren ACC Update in den letzten Tagen wird es außerdem spannend zu beobachten, wie sich ggfs. die BOP der Fahrzeuge verändert.

Die Trainingszeiten liegen wieder eng beieinander und mit Michael Huck und Chris Kaiser sind noch 2 neue Fahrer eingestiegen, die ebenfalls mit um die vorderen Plätze kämpfen. Auch das Rennen auf dem “Parkplatz” wird wieder über die Konstanz entschieden.
Besonders schwer hat es Eduard Wiens, der dank seiner starken Leistungen in den ersten 3 Rennen bereits 35 Bonus-Sekunden gesammelt hat, die er in der Box absitzen muss. Christian Fleißner hat 15 Sekunden gesammelt, Partick Pignone und Marek Musiol jeweils 5.

Ob unsere Aliens es schaffen trotz der Bonus-Sekunden wieder vorne zu landen, gibt es im Livestream bei Rennzeit-TV zu sehen.

NameSilverstone Grand Prix Circuit
Länge5,141 km
Quali19:00 Uhr
Rennenca. 19:25
Rennlänge70 min.
BoxenstopfensterNein
 Pflichtboxenstop Ja, ohne Tank-oder Reifenwechselpflicht
Beitragsbild © United-SimRacer.eu
Streckeninfos RacingCircuits.info

Schreibe einen Kommentar

Kommende Veranstaltungen